Seminar zum Thema „Tourismusentwicklung und Qualität“ an der Odessa State Economic University
von Klaus Jamin (www.qm-germany.de)

von links nach rechts Klaus Jamin, Seminardurchführung, der Rektor der Universität Michael I. Zyverjakov und George Shubartovskiy, Vice Rektor
„Gelegen am Schwarzen Meer, umgeben von goldenen Stränden, berührt von südlicher Sonne, das ist Odessa, die Perle der Ukraine und eine der schönsten Städte der Welt.“ So beginnt die Broschüre der staatlichen wirtschaftlichen Universität der Stadt Odessa. Fast 100 Studentinnen und Studenten der höheren Semester waren eingeladen, am Seminar zum oben genannten Thema teilzunehmen. Bei der Befragung der Teilnehmer über den Tourismus war der Stolz über die Potemkin Treppe, das schöne Opernhaus und Herzog von Richelieu, der als Gouverneur von 1803 - 1814 regierte unüberhörbar.
„An ihn erinnert seit 1828 eine Bronzestatue, geschaffen von Ivan Martos. Er war vor der Französischen Revolution geflohen und diente in der Armee Katharina der Großen gegen die Türken. Ihm verdankt die Stadt die Anlagen und die Infrastruktur. Auf ihn gehen die langen unterirdischen Gänge, die Katakomben, zurück. Die tragenden Wände vieler Häuser bestehen aus Kalkstein, der in den Steinbrüchen unterhalb der Stadt herausgebrochen wurde. Das Wohnhaus des Gouverneurs wurde mit einem kilometerlangen unterirdischen Gang verbunden; einerseits mit seinem Arbeitssitz, andererseits als Fluchtweg zum Meer“. (Vgl.: Wikipedia).
Schaut man sich die Stadt näher an, so fehlt es beispielsweise an der Infrastruktur in und außerhalb der Stadt, jedoch auch an genügend preisgünstige Hotels für europäische Touristen. Das Sterne-System, strenger ausgelegt als das in Deutschland übliche Klassifizierungs-System, wird jedoch relativ locker gehandhabt und ist auf die mit Mentalität der lokalen Bevölkerung abgestimmt.
Ein Qualitätsmanagement, so wurde in dem Seminar deutlich, ist ebenfalls nach Ukrainischem Muster vorhanden (90% entsprechende den ISO Normen 9000:2000) aber auch hier gibt es natürlich Auslegungs-Spielräume, die gern von den Hotels genutzt werden.
Trotz einiger sehr guter Ansätze in der Nähe der sauberen Strände, eine ägyptische Gastronomieanlage kann wegen Verfalls leider nur von außen besichtigt werden, ist der Wille der jungen Studenten ungebrochen, die Zukunft des Tourismus in dieser Region neu zu gestalten. So beklagte man sich ganz offen über die Eigentümer der Hotels, die wenig investieren, hohe Preise nehmen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weder gebührend schulen noch ausreichend bezahlen.
Ein kleiner Teil der StudentInnen
Insgesamt kann als Resultat der Seminare gesagt werden, dass der Wille zum Anschluss an westliche Standards sehr deutlich ist, dass auch die Behörden verständlicherweise an mehr Touristen Interesse haben. Vielleicht sollten Sie nicht überwiegend aus dem osteuropäischen Raum, sondern mehr aus dem besser zahlenden Westen kommen. Die bisher kommenden westlichen Schiffsreisenden, die mit den großen Kreuzfahrtschiffen im gut ausgebauten Hafen landen, bringen dieser Region der Ukraine kaum etwas. Die Gäste schlafen und essen auf dem Schiff, schauen sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an und verschwinden nach kurzer Zeit wieder um andere Ziele anzufahren.
Ganz reiche Investoren planen sogar einen Wasserpark mit Rutschen wie „Wet ‘n Wild“ in Orlando südlich von Odessa aufzubauen. Ob dadurch die Zahl der bisher circa eine Million Touristen, die jedes Jahr in die Region kommen, erhöht werden kann steht allerdings bei den geplanten Eintrittspreisen in den Sternen.